2 Schnellstart: Das Mittelwellen-Radio
von B. Kainka, Röhrenradios selbst bauen
Siehe auch: Lernpaket Röhrentechnik
Radios bauen mit der E90CC
Hier soll als Erstes ein kleines Radio vorgestellt werden, das die Möglichkeiten der Röhre anschaulich zeigt. Dieses Kapitel verzichtet noch auf umfangreiche Erklärungen und zeigt einfach nur wie die Schaltung aufgebaut wird. Die Grundlagen der Röhrentechnik werden in den folgenden Abschnitten erläutert. Wenn Ihnen der systematische Zugang mehr liegt, können Sie diesen Aufbau zunächst überschlagen und das Radio später im Kapitel 5 erproben.
Die Schaltung
Das Radio besteht aus einer Empfangsstufe mit der Röhre E90CC und einem Endverstärker mit dem IC LM386. Am Ausgang kann wahlweise der Kopfhörer oder ein kleiner Lautsprecher eingesetzt werden. Verwenden Sie z.B. kleine Lautsprecherboxen, die zum direkten Anschluss an einen Walkman oder Diskman vorgesehen sind, denn sie haben einen besonders hohen Wirkungsgrad.
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Abb. 2.1 Schaltbild des Mittewellenradios
Das Schaltbild nach Abb. 2.1 zeigt einen Empfänger mit einer Röhre. Hier sind beide Systeme der Röhre zusammengeschaltet und arbeiten als eine Triode mit doppelter Steilheit. So kommt der Empfänger mit der kleinen Betriebsspannung von nur 6 V aus.
2.2 Aufbau
Bauen Sie die Radioschaltung auf dem Steckbrett auf, wie es in Abb. 2.2 gezeigt ist. Am Ausgang der Schaltung liegt ein Lautsprecher (LS), es kann aber auch der Kopfhörer angeschlossen werden. Die beiden Teile der Versorgungsschienen am oberen Rand und der Masseschiene am unteren Rand müssen in der Mitte durch Drahtbrücken verbunden werden. Die Röhrenfassung wird durch ihre Verbindungsdrähte getragen. Bei der Verdrahtung muss beachtet werden, dass die Anschlussbelegung einer Röhre in den Datenblättern in einer Ansicht von unten gezeichnet ist, weil die Verdrahtung üblicherweise unterhalb des Chassis an der Röhrenfassung lag. Hier ist jedoch alles in der Draufsicht von oben gezeichnet, wobei sich die Nummerierung umdreht. Die Anschlüsse 1 bis 7 sind also im Gegenuhrzeigersinn zu zählen. Die Verbindung der Röhre erfordert einiges Geschick, weil die Drähte nur nacheinander eingesteckt werden können. Die Fassung wird bei allen folgenden Versuchen am selben Platz bleiben.
Der Drehko liegt auf dem Rand der Steckplatine auf und wird durch seine drei Anschlüsse mechanisch ausreichend stabil gehalten. Zusätzlich können Sie ihn mit doppelseitigem Klebeband auf dem Steckbrett fixieren. Er kann auch für die folgenden Versuche an dieser Stelle bleiben, auch wenn er für die konkrete Schaltung nicht benötigt wird. Beide Hälften des Drehkos sind in diesem Radio durch eine Drahtbrücke parallel geschaltet.
Abb. 2.2 Der Aufbau auf der Steckplatine
Die Verbindungen zur Außenwelt, also Erde, Antenne, Stromversorgung und Lautsprecher (LS), sind hier als offene Drähte gezeichnet. Statt eines Lautsprechers kann auch wie in Abb. 2.3 der vorhandene Kopfhörer verwendet werden, wobei die Anschlüsse L und R benutzt werden um das Signal auf beiden Seiten zu hören. Der gemeinsame Anschluss bleibt dann frei. Sie können auch den Übergangsstecker 6,3 mm zu 3,5 mm als Anschlussbuchse verwenden.
Abb. 2.3 Das Mittelwellenradio mit angeschlossenem Ohrhörer
2.3 Inbetriebnahme
Schließen Sie Antenne und Erde an. Der Erdanschluss kann z.B. aus einer Verbindung zu einem Heizungsrohr oder Wasserhahn bestehen. Alternativ kann auch der Schutzleiter der Steckdose verwendet werden. Vermeiden Sie jedoch aus Sicherheitsgründen eine direkte Verbindung zur Steckdose und stellen Sie statt dessen einen leitende Verbindung zu einem geerdeten Gerät wie z.B. einem PC, Netzteil oder Oszilloskop her.
Die Antenne sollte ein möglichst langer, frei abgespannter Draht sein. Für die ersten Versuche reicht bereits ein im Zimmer gespannter Draht von etwa drei Metern Länge. Bessere Ergebnisse bringt eine Außenantenne, die etwa fünf bis zehn Meter lang und möglichst hoch und gut isoliert aufgehängt ist.
Versorgen Sie den Empfänger mit vier Mignonzellen. Gut geeignet sind Alkalizellen, da sie bis zum Ende ihrer Betriebsdauer eine relativ konstante Spannung aufweisen. Nach etwa 10 Sekunden können Sie das rote Glühen der beiden Kathoden der Röhre sehen. Nach etwa einer halben Minute ist die Röhre einsatzbereit.
Drehen Sie das Poti weit nach rechts. Stimmen Sie dann mit dem Drehko die Frequenz ab. An einigen Stellen werden Sie ein lautes Pfeifen hören. Drehen Sie dann das Poti etwas zurück, bis das Pfeifen gerade aufhört. Nun sollten Sie einen Sender klar empfangen können. Das Poti dient zum Einstellen der Rückkopplung. Bei optimaler Einstellung kann eine große Empfindlichkeit und Lautstärke erzielt werden. Falls ein Sender zu laut und stark verzerrt erscheint, kann man den Regler noch weiter zurückdrehen und wie einen Lautstärkeregler verwenden.
Am Tage sollte zumindest der Ortssender klar und deutlich zu empfangen sein. Am Abend ist auch Fernempfang möglich. Mit einer ausreichend langen Antenne braucht sich der einfache Empfänger nicht vor wesentlich moderneren Radios zu verstecken. Es kann sein, dass der obere Bereich des Mittelwellenbandes nicht abgestimmt werden kann. Hier hilft eine veränderte Antennenkopplung, die weiter unten im Kap. 5 vorgestellt wird.
Röhrentechnik im ComputerClub2
In der Fernsehsendung des ComputerClub2 am 21.2.08 zeigte Wolfgang Rudolph das Lernpaket Röhrenradios selbst bauen in Aktion. Da im Studio kein Empfang möglich war, hatte er MP3-Aufnahmen vom Mittelwellenempfang mit der E90CC an einer geeigneten Antenne mitgebracht. Die Sendung kann man sich jederzeit auch im Internet ansehen: www.cczwei.de
Röhrenversuche im Studio von NRW-TV
Das ist Wolfgang Rudolphs Röhrenkoffer aus alten Tagen mit zwei Büchern:
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