Bild 2 zeigt die Innenansicht der Boy`s Radios Pearl und Champtone Super De Luxe. Besonders interessant ist der senkrechte Einbau der Ferritstabantenne im linken Gerät (Pearl).
Da bei der Ferritstabantenne der optimale Empfang erreicht wird, wenn sich die Antenne um 90 Grad gedreht zur Polarisation des Senders befindet, handelt es sich hier offensichtlich um ein Radio für den Empfang von horizontal polarisierten MW Sendern.
Üblich ist die Vertikalpolarisation. Deshalb wird der Ferritstab in den meisten Geräten waagerecht eingebaut. Um meine Rundfunkgerätesammlung zu erweitern, erwarb ich vor einigen Monaten mehrere Boy`s Radios.
Dabei stellte ich fest, dass diese Geräte bei Sammlern sehr gefragt sind. Natürlich war ich skeptisch. Ein Taschenradio für Lautsprecherwiedergabe mit nur zwei Transistoren? Der anschließende Test überraschte mich angenehm.
Die Empfänger überschritten bei dem Empfang meiner drei Berliner Ortssender wesentlich die Zimmerlautstärke. In den Abend- und Nachtstunden konnte ich einige Fernsender empfangen.
Die von mir als optische Aufwertung eingeschätzte Teleskopstabantenne brachte im mittleren und oberen Frequenzbereich tatsächlich eine nicht unwesentliche Empfangsverbesserung.
Ein Grund sich mit der Gerätekonzeption zu beschäftigen. Zunächst ermittelte ich an Hand der Leiterplattenbestückung die Schaltung der Geräte.
Das Schaltbild 1 zeigt den Champtone
-Schaltungsbeschreibung:
Der Transistor T1 verstärkt als HF Stufe das über die Ferritstabantenne empfangene Signal. An seinem Kollektor wird das HF Signal über den HF Übertrager der Diode D1 zugeführt. Nach erfolgter Demodulation wird die gewonnene NF über C4 und der Koppelwicklung des Eingangsschwingkreises (5Wdg) erneut auf die Basis des T1 geleitet.
Jetzt arbeitet T1 als NF Verstärker.
Diese Schaltungsart wird als Reflexempfänger bezeichnet, da T1 zwei Funktionen übernimmt.
Der Übertrager Ü1 erhöht den Signalpegel für die Endstufe T2. Der Übertrager Ü2 übernimmt die Anpassung des hohen Ausgangswiderstandes des Transistors T2 an den eingesetzten 8 Ohm Lautsprecher.
Um mit dieser Schaltung experimentieren zu können, benötigte ich geeignete Bauelemente.
Als Bezugsquelle für Ferritstabantenne, Drehko, Poti, Ausgangstrafo und Lautsprecher dienten mir mehrere Taschensuper Made in Hong Kong, die ungefähr dem Produktionszeitraum des Boy´s Radios entsprachen.
Solche Geräte kann man schon unter zehn Euro (meist als defekt oder mit Gehäuseschaden angeboten) bei Ebay unter der Rubrik Taschenradio ersteigern. Beim Ausschlachten wird man feststellen, dass die Potis an den Außenanschlüssen auf die Platine genietet sind.
Durch vorsichtiges Ausbohren der Nieten kann das Poti problemlos ausgelötet werden.
Da die Geräte über eine Gegentaktendstufe verfügen, befinden sich auf der Leiterplatte ein Treibertrafo und ein Ausgangstrafo. Der benötigte Ausgangstrafo kann im Zweifelsfall leicht durch Messen ermittelt werden
Die Primärwicklung liegt bei einigen hundert Ohm (die Mittelanzapfung wird nicht benötigt) und bei der Sekundärwicklung(Lautsprecheranschluss) misst man nur einige Ohm.
Nach gründlicher Überarbeitung der Originalschaltung entstand eine Variante, in der ich versucht habe trotz Vereinfachung das gleiche Niveau des Boy´s Radio zu erreichen. Durch den Einsatz moderner Transistoren ist die Empfindlichkeit etwas besser.
Schaltbild 2 zeigt die Version Boy´s Radio 2010 - Schaltungsbeschreibung:
T1 arbeitet zunächst als HF Eingangsstufe. D1 demoduliert das HF Signal und das jetzt zur Verfügung stehende NF Signal wird über den Elko C4 an die Basis von T1 zurückgeführt.
Über R1, D1 und C4 stellt sich eine Basis-Emitterspannung von 0,64 V ein.
Das über T1 verstärkte NF Signal passiert die HF Drossel und wird wie im Boy´s Radio der NF Endstufe zugeführt.
Über R4 wird eine Stromaufnahme von etwa 10mA eingestellt (R3 verhindert durch versehentlichen Abgleich die Zerstörung von T2). Die Stromaufnahme entspricht den Originalgeräten. Etwas Probleme bereitete die HF Drossel.
In meiner Bastelkiste fand ich eine MW Oszillatorspule, die aus einem kleinen Stiefelkörper mit Ferritkern bestand. Nach Entfernung der Originalwicklung wickelte ich so viel wie möglich 0,4mm Kupferlackdraht auf den Spulenkörper.
Bei zu wenigen Windungen schwingt das Gerät. Ein Wicklungswiderstand von ca. 30 Ohm ist anzustreben. Sehr gut eignet sich auch die Netzdrossel eines aufgegebenen Akku-Rasierapparates. Bei der Entwicklung des Boy´s Radio 2010 habe ich die verschiedensten Transistortypen ausprobiert.
Meine Entscheidung viel zu Gunsten des bei mir bewährten BC550. Deshalb sind alle in den Schaltbildern angegebenen Spannungsangaben auf diesen Transistor bezogen. Wenn man in Kauf nimmt, die Konzeption der japanischen Entwicklungsingenieure zu verlassen, kann man zur Leistungssteigerung einen dritten Transistor in der Endstufe einsetzen (siehe Schaltbild 3).
Bei dieser Variante habe ich berücksichtigt, dass nur ein zusätzlicher Transistor ohne Erhöhung der passiven Bauelemente verwendet wird.
Über R3 wird der Ruhestrom von etwa 11mA eingestellt. In den Abbildungen 3 und 4 sind die Mustergeräte zu sehen. (links die 2 Transistor Variante). Jetzt fehlte noch ein Vergleich um die Leistungsfähigkeit des Reflexempfängers zu bestätig
en.
Deshalb baute ich ein Gerät, in dem die Funktion des T1 durch eine Ersatzschaltung von drei Transistoren ersetzt wurde (HF Verstärker mit Kollektoreingangsstufe, NF Vorverstärkerstufe Schaltbild 4). Die Endstufe ist mit zwei Transistoren bestückt.
Die Abbildungen 5 und 6 zeigen dieses Gerät.
Trotz erheblichen Mehraufwands (siehe Abbildung 6) habe ich keine wesentliche Empfangsverbesserung feststellen können. Der einzige Vorteil dieser Schaltung liegt im hohen Eingangswiderstand, bedingt durch die Kollektoreingangsstufe.
Dadurch wird der Eingangsschwingkreis weniger belastet und der Einsatz von extrem kleinen Ferritstabantennen ermöglicht. Zum Schluss noch ein Beispiel, das man mit etwas Löterfahrung solche einfachen Geräte sehr klein aufbauen kann.
In Abbildung 6 ist ein von mir in Gasfeuerzeuggröße gefertigtes Modell zu sehen.
Die NF Endstufe übernimmt der LM 386. Im Prinzip könnte hier auch eine Reflexstufe (1 Transistor) eingesetzt werden.
Auf Grund der Mini-Ferritstabantenne (im Bild links zu erkennen) ist hier die Dreitransistoreingangsvariante eingesetzt. Die Wiedergabe erfolgt über einen Miniaturlautsprecher 16 Ohm, 0,25 Watt.
Lautstärkeregelung ist über einen Schiebeschalter Hi Low möglich. Die Feinabstimmung der Lautstärke ist durch Drehung des Gerätes (Ferritstabausrichtung) oder Senderabstimmung möglich.
Alle Schaltbilder zum Download
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