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Kurzwellenradio - Tipps und Tricks
Reparaturtipps rund um das Kurzwellenradio
Prinzipiell werden alle Spannungen gegen Masse (Erde) - die mit dem Minus-Pol der Batterie verbunden ist - in Volt (V) gemessen. Somit beziehen sich auch alle Spannungsangaben gegen Masse. Bei Abweichungen von >30% sollten jeweils alle um den jeweils abweichenden Spannungswert liegenden Bauelemente geprüft werden.
von Hans-Jürgen Neuhaus
Nach dem recht guten Erfolg des Bausatzes des Retro MW-Radios (Start im Jahr 2008) fährt nun auch der Bausatz des neuen (Start im Jahr 2009) Retro KW-Radios offensichtlich auf der Erfolgsschiene. Der folgende Beitrag soll vor allem Neueinsteigern helfen, ohne vorherigen Frust ein Erfolgs-Erlebnis mit einem selbst gebauten KW-Radio zu haben. Denn wenn das Retroradio gut funktioniert, macht es wirklich Spaß, auf der Kurzwelle zu „surfen".
Kurzinbetriebnahme
Der gesamte Aufbauprozess sowie die optische Prüfung sollten immer ohne bestückte Batterie erfolgen! Sind Sie sicher, dass Sie sorgfältig gearbeitet haben? Dies können Sie schon durch kurzen optischen Vergleich Ihres Gerätes mit dem Verdrahtungsplan der Anleitung prüfen.
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Dann können Sie das Gerät mit der Batterie, Antenne und Erde versehen und einschalten. Die Leuchtdiode muss sofort leuchten. Sonst Polung des Batterie-Clips und der Leuchtdiode prüfen. Läuft das Gerät, dann können Sie sich die weiteren Schritte sparen!
Tut sich aber nichts, dann kommt die optische Prüfung in Betracht - wieder ohne Batterie. Vorher sollte aber der etwas problematische Drehkondensator auf Verwendung der richtigen Anschlussfahnen und eine unsichere Verbindungsstelle zur Platine geprüft werden. Richtig muss es so aussehen wie auf dem Bild von Ernst Erb:
Der erste Schritt ist bei der Inbetriebnahme/Reparatur die optische Prüfung, bei der man die Bestückung aller Bauteile durch 1:1-Vergleich mit der Aufbau-Anleitung prüft. Dies kann man noch im eingebauten Zustand der Baugruppe machen:
Widerstände: Ist der richtige Widerstand an der richtigen Stelle? Keramik-Kondensatoren (die hellbraunen Pillen); die Zuordnung zwischen den Kapazitätswerten und der Beschriftung findet man auf Seite 7 der Anleitung.
- Elektrolytkondensatoren (Elkos): Hier ist allein die Polarität wichtig, da alle Werte gleich sind (100µF).
- IC (LM386): Das IC muss mit der Kerbe zur Spule zeigend eingelötet werden.
- Die Leuchtdiode muss polungsrichtig - die abgeflachte Gehäuse-Seite ist die Kathode K - entsprechend der Beschriftung auf der Platine bestückt sein.
- Transistoren: Entsprechend der Abbildung auf der Platine
- Die Spule kann durch ihre Asymmetrie nicht falsch eingebaut werden.
Jetzt prüfen wir die Verdrahtung. Gemäß Anleitung Seite 10 sollte die gesamte Verdrahtung 1:1 geprüft werden. Die Polung des Lautsprechers (+/-) ist übrigens unerheblich. Die Lötstellen der Anschluss-Litzen sind auch auf kalte Lötstellen sowie auf Kurzschlüsse an den Platinenlötstellen zu prüfen. Fehlerschwerpunkt ist hier die fehlerhafte Verdrahtung der Potis.
Der einzige Weg zur Prüfung der Lötstellen der Platine ist, die Baugruppe (Drehko mit angelöteter Platine) noch mal auszubauen. Dann werden alle Lötstellen auf der Platine geprüft in Hinblick auf:
- Kurzschlüsse zwischen den Lötaugen
- Kalte Lötstellen:
- Das Lötzinn hat den Anschlussdraht des Bauteils im Lötauge der Platine nicht gleichmäßig umflossen.
- Das Lötzinn bildet im Lötauge eine Kugel
- Die Lötstelle sollte glänzen (außer bei bleifreiem Lötzinn).
Kalte Lötstellen lassen oft auf eine zu niedrige Löt-Temperatur (> 300°C bei bleihaltigem Zinn) oder eine zu kurze Löt-Zeit schließen (max. 5 Sekunden). Auch wenn es umweltpolitisch nicht ganz korrekt ist: Man sollte als Anfänger kein bleifreies Lötzinn verwenden, da dieses selbst bei der notwendigen höheren Löt-Temperatur wesentlich schlechter fließt. Die geringe erforderliche Menge an Lötzinn für den Aufbau unseres Radios fällt umwelttechnisch nicht ins Gewicht. Fehlerschwerpunkt ist die Verlötung des Drehkos mit der Platine.
Besonders der Drehko kann beim Aufbau zu Fehlern führen. Dies kann zum einen durch schlechte Lotstellen beim Verbinden mit der (bestückten) Platine erfolgen. Aber auch beim Verbinden der etwas unübersichtlichen Menge von Anschluss-Fahnen können Fehler entstehen. Der Drehko ist ein wahrer Vielkönner. Er besitzt sowohl 2 Abstimm-Drehkopakete je 265 pF, 2 Trimmerkondensatoren je 12 pF und 2-Abstimm-Drehkopakete je 22 pF und intern schon verbundene Trimmer von je 12 pF. Letztere sind für potentiellen UKW-Empfang gedacht - werden hier also nicht gebraucht.
Die 4 Anschluss-Fahnen des UKW-Drehkoteils auf der linken Seite des Drehkos, also e und f sowie die beiden gemeinsamen Masse-Fahnen g, sollten bis auf einen kleinen Rest abgeschnitten werden. Falls man unsicher ist, sollte man den Drehko noch mal ablöten und wie folgt verfahren:
Auf der rechten Seite des Drehkos - hier gibt es 5 Fahnen - sollten die übereinanderliegenden Fahnen von a mit c sowie b mit d wie im 1.Bild ganz oben gekürzt, ordentlich verzinnt und verlötet werden. Anschließend werden die gemeinsame mittlere Fahne (Masse-Anschluss g) und die Lötflächen für den Drehko auf der Leiterplatte nicht zu sparsam verzinnt. Erst jetzt werden die so vorbereiteten Teile - Drehko und Platine - zusammengelötet. Jetzt kann die Baugruppe wieder in das Gehäuse eingebaut werden.
Einschalten
Jetzt bauen wir die Batterie wieder ein, und dann schalten wir ein. Falls die Leuchtdiode nicht leuchtet, sollte man das Gerät sofort wieder ausschalten und die optische Prüfung wiederholen - beginnend mit der Prüfung der Polung der Batterieanschlüsse (rote Leitung (+) am EIN/AUS-Schalter des Lautstärkepotis). Falls OK, wird anschließend die Polung der Leuchtdiode sowie der Wert des Vorwiderstandes R3 (4,7kOhm, gelb, violett, rot) und Umgebung geprüft.
Elektrische Prüfung
Vor dem Beginn der elektrischen Prüfung soll kurz über die erforderliche Messgeräte gesprochen werden. Unabdingbar ist ein Gerät zur Messung von Spannungen. Prinzipiell kann jedes Spannungsmessgerät benutzt werden. Das Messergebnis hängt vom Innenwiderstand des Messgerätes ab, der die Messung belastet und das Ergebnis verfälscht. So besitzen analoge Zeigerinstrumente meist einen niedrigeren Eingangswiderstand, als moderne digitale Multimeter (DMM). Wer also ein neues Gerät anschaffen will oder muss, der sollte ein DMM anschaffen. Einfache Multimeter, die für unsere Zwecke völlig ausreichen, gibt es für unter 5 EURO - oft sogar auch im Baumarkt. Diese einfachen Geräte besitzen meist einen Eingangswiderstand von 1 MOhm und eine Messunsicherheit von kleiner 2,5%; dies reicht völlig aus.
Es geht aber auch mit einem Zeigerinstrument älterer Bauart. Weitere Messgeräte sind im ersten Schritt, die statische Inbetriebnahme, nicht erforderlich.
Prinzipiell werden alle Spannungen gegen Masse (Erde) - die mit dem Minus-Pol der Batterie verbunden ist - in Volt (V) gemessen. Somit beziehen sich auch alle Spannungsangaben im Bild oben gegen Masse. Bei Abweichungen von >30% sollten jeweils alle um den jeweils abweichenden Spannungswert liegenden Bauelemente geprüft werden auf:
- Richtige Einbaulage (T1,T2, IC1)
- Richtige Werte der Bauelemente (Widerstände)
- Richtige Polung (Elkos, LED, Batterie)
Die Spannungs-Werte im Bild oben sind gemessen mit dem im Bild oben gezeigten DMM gemessen, das bei Spannungsmessungen einen Eingangs-Widerstand von 1MOhm aufweist:
- Die Spannung am Emitter von T1 ist abhängig von der Stellung von P1. Im aktiven Bereich von T1 (aufgedrehter Rückkopplung) beträgt sie ca. 0,55V. Die Basis-Spannung von T1 ist 0V, da die Basis über die niederohmige Spulen-Wicklung an Masse liegt.
- Die Spannung am Kondensator C3 beträgt je nach Stellung des Potis P1 zwischen 0 ... 1V. Bei verschiedenen Poti-Stellungen überprüfen!
- Die Spannung an der LED beträgt 1,8V.
- Die Spannung am oberen „heißen" Ende von P2 beträgt 1V
- Die Spannungen am IC1, LM386 sollten komplett gemessen werden (Die Zählfolge ist bei Draufsicht gegen den Urzeigersinn, PIN1 ist an der Kerbe des ICs, nahe C7):
- PIN 1: 1,35V
- PIN 2, 3, 4: 0V
- PIN 5: Ca. halbe Betriebsspannung (4,8V)
- PIN 6: Betriebsspannung (9,4V)
- PIN 7: 4,6V
- PIN 8: 1,35V
Vorraussetzung für die Spannungsangaben ist eine volle Speisebatterie (9,4V). Die Spannungsangabe an der LED (1,8V) ist aber in weiten Teilen unabhängig von dem Ladezustand der Batterie, da die LED spannungsstabilisierend wirkt.
Eine gute Funktionsprüfung bildet auch die Messung des Gesamtstromverbrauchs des Radios. Bei einer Strommessung muss das Messgerät in den Strommessbereich umgeschaltet werden - und man sollte genau die Bedienungsanleitung des Messgerätes lesen, da bei vielen Messgeräten im Strommessbereich auch die Messleitungen zur Strommessung umgesteckt werden müssen. Dann kann der Strom (ca. 5mA) im ausgeschalteten Zustand des Radios einfach durch Überbrücken des EIN/AUS-Schalters mit den beiden Prüfspitzen des Strom-Messgerätes ermittelt werden. Bei fehlerhafter Stromaufnahme muss der Fehler eingekreist werden:
- IC1 (LM386) verbraucht (ohne Lautsprecher-Signal) typisch 4mA; es können maximal (wg. Toleranzen) auch 8mA sein - dies ist aber die Ausnahme!
- Der Rest der Schaltung verbraucht ca. 1mA.
Die Widerstandswerte R1 ... R4 sowie die Potis können im ausgeschalteten Zustand des Radios auch im eingelöteten Zustand mit unserem DMM im Ohm-Messbereich überprüft werden. Auch die korrekte Verdrahtung kann so noch mal überprüft werden.
Jetzt schließen wir Antenne und Erde gemäß der Radio-Anleitung Seite 11 an und versuchen einen oder mehrere Sender - auch zu verschiedenen Tageszeiten - zu empfangen. Viel Erfolg!
Falls das Radio noch nicht funktioniert, fahren wir mit den folgenden Prüfungen fort. Mit dem im folgenden beschriebenen „Brummtest" prüfen wir den den NF-Verstärker-Teil (NF=Niederfrequenz) T2 und IC1 unseres Radios. Mit dem Schwingtest prüfen wir den HF-Teil (HF=Hochfrequenz) T1 unseres Radios. Voraussetzung für alle dynamischen Tests (falls nicht anders angegeben):
Lautstärke und Rückkopplung voll aufgedreht.
Beim Brummtest nehmen wir unsere Hand als (Netz-) Brumm-„Generator". Man nimmt ein Stück leitenden, festen Draht als Prüfspitze in die Hand und tastet die im folgenden angemerkten Punkte der Schaltung ab. Der Test wird ohne Antenne aber mit angeschlossener Erde durchgeführt.
Wenn wir den Eingang des Lautsprecherverstärkers IC1 (LM386) am PIN 2 mit unserer Hand-Prüfspitze berühren, muss es im Lautsprecher brummen. Das Brummen kann auch zusätzlich mit weiteren Geräuschen überdeckt sein. Diesen Versuch wiederholen wir an PIN3 von IC1. Hier muss das Geräusch lauter als an PIN 2 sein. Sollte es in keinem Fall ein deutliches Geräusch hörbar sein, sollten die Spannungen an allen (!) PINs von IC1 (siehe oben) sowie die Leitungen zum Lautsprecher geprüft werden. Dann den korrekten Einbau von C8 prüfen.
Der Kollektor von T2 muss das gleiche Geräusch wie vorher an PIN 2 von IC1 auftreten (Achtung: Lautstärke voll aufdrehen), sonst ist eine Signalunterbrechung eingetreten: Wert und Anschlüsse von C7 prüfen, Verdrahtung von P2 prüfen.
Jetzt berühren wir die Basis von T2 mit unserer Prüfspitze. Das Brummen im Lautsprecher muss lauter sein als bei den ersten Versuchen. Falls das Brummen (Lautstärke voll aufgedreht) nicht lauter wird - oder es gar nicht brummt - müssen wir die Spannungen und Umgebung von T2 (siehe oben) untersuchen. Falls die Gleichspannungen OK sind, machen wir jetzt eine Ausnahme der Messanordnung: Wir messen die Spannung statt gegen Masse direkt zwischen Emitter und Basis von T2 mit den beiden Messspitzen unseres Spannungsmessgerätes: 0,6V sind OK. Bei 0V muss R4 und Umgebung überprüft werden. Hintergrund dieser Messung ist, dass beim Messen der Spannung an der Basis von T2 gegen Masse, diese Spannung durch den Innenwiderstand des Messgerätes gegen Masse auch den richtigen Wert anzeigen könnte.
Berühren des Emitters von T1 muss auch zu einem Brummen im Lautsprecher führen, vor allem, wenn die Rückkopplung bei diesem Versuch ausnahmsweise voll zurückgedreht (Linksanschlag) wird.
Ist der Brummtest erfolgreich verlaufen, ist der NF-Verstärker OK. Spielt das Radio mit Antenne und Erde immer noch nicht fahren wir mit dem folgenden Schwingtest fort.
Schwingtest
Das Schaltungsprinzip unseres KW-Retro-Radios ist das sogenannte rückgekoppelte Audion (T1) mit anschließenden NF-Verstärker (T2, IC1). Dieses Audion ist aber bei weit aufgedrehter (überzogener) Rückkopplung eine schwingende Schaltung, ein Oszillator - und somit ein Sender. Hat man - bei einwandfreier Funktion - einen hörbaren Sender eingestellt, hört man bei überzogener Rückkopplung im Lautsprecher unangenehme Pfeiftöne. Ist kein hörbarer Sender eingestellt, hört man oft einen Anstieg des Rauschens.
Das Audion schwingt auf der mit dem Drehko eingestellten KW-Frequenz. Und da unser Audion ein Sender ist, kann man diese Sendefrequenz mit jedem KW-Radio - beispielsweise einem Weltempfänger - der sich in unmittelbarer Nähe unseres Radios befindet, empfangen. Dieses Radio ist nun unser neues Prüfgerät; wir nennen es Messradio. Ein Empfang im Messradio ist eine gute Prüfung, ob der HF-Teil (T1) im Retroradio bei voller Rückkopplung einwandfrei arbeitet.
Es soll nicht verschwiegen werden, dass dieser Test etwas Übung und Geduld erfordert. Die Prüfung wir daher als Checkliste dargestellt, die man 1:1 abarbeiten sollte:
- Das Messradio mit voll ausgezogener Teleskopantenne in die unmittelbare Nähe (max. 20cm) unseres Retro-Radios stellen.
- Im Messradio einen empfangswürdigen Sender einstellen - z.B. im 49m-Band, Deutsche Welle, 6075KHz.
- Kurzes Antennen-Kabel (1m) an A3 des Retroradios anschließen, keine Erde.
- Am eingeschaltete Retroradio mit voll aufgedrehter Rückkopplung den Drehko langsam durchstimmen. Bei Übereinstimmung der durchgestimmten Frequenz gibt es in dem Messradio Pfeifgeräusche. Versuch gegebenenfalls wiederholen.
Dieser Test kann auch mit verschiedenen Frequenzen wiederholt werden - immer, wenn man das Gefühl hat, die Rückkopplung reicht nicht zum Schwingeinsatz. Bei Nicht-Funktion (kein Schwingeinsatz) sollte zuerst der Kondensator C2 auf einwandfreien Einbau und auf den richtigen Wert (100 pF, Beschriftung = 101) geprüft werden. Emitterspannung von T1 nachmessen (0,55V). Anschließend wird der korrekte Einbau des Drehkos geprüft (siehe oben). Erst danach sind die oben beschriebenen statischen Tests zu wiederholen.
Anmerkung: Aufgrund der Toleranzen der Bauelemente kann es auch bei einem völlig korrekt aufgebauten Retro-Radio vorkommen, dass das Audion - insbesondere bei den unteren Empfangsfrequenzen (ca. 3000KHz - 4000KHz) - nicht in den Schwingzustand zu versetzen ist. Dieser Fehler kann nur durch eine Schaltungsänderung behoben werden.
Mit aufwendigeren Messgeräten, beispielsweise Oszillograph, Signalverfolger, Messsender, Frequenzmessgerät, u.s.w. lässt sich das Retroradio natürlich wesentlich effektiver auf Fehlerquellen untersuchen - aber es geht auch mit einfachen Mitteln.
Quellenhinweis: Dieser Beitrag wurde aus dem Forum des Radiomuseum übernommen.
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