Dabei entstand der portable Kurzwellenempfänger KWE 2010.
Dabei handelt es sich um ein Zweikreisaudion mit HF-Vorstufe, Ferritstabantenne mit zusätzlichen Teleskopstabdipol, Feinabstimmung, stufenloser NF-Bandbreitenregelung und einer NF-Modulationsanzeige.
Da das Design des Originalgerätes im Stil eines Heim-Röhrenradios der dreißiger Jahre gehalten ist, habe ich das Aussehen des KWE 2010 etwas modernisiert und damit seiner Aufgabe als portablen Transistorempfänger angepasst. Der Einsatz als Informationsquelle auf dem Balkon, im Garten oder auf der Urlaubsreise bedarf einer möglichst hohen Lautstärke.
Deshalb befindet sich zwischen Pin 1 und Pin 8 des LM 386 die Kombination C20-R18. Mit dem Regler R18 kann die ursprüngliche Verstärkung des Schaltkreises von 20 stufenlos bis auf 200 eingestellt werden. Ich habe den höchsten Verstärkungsgrad gewählt
Um ein Schwingen des NF-Verstärkers bei hohen Lautstärken sicher zu verhindern, dienen die Kondensatoren C15, C16. Die hohe Kapazität von C16 stabilisiert zusätzlich die 9-V-Schiene der Schaltung bei Stromentnahmespitzen des IC (hohe NF-Amplituden). Das ist wichtig, denn über die 9-V-Schiene wird auch die Abstimmspannung der Feinabstimmung gewonnen. Ein größerer Lautsprecher (Korbdurchmesser 750 mm) und die Erhöhung der Anzahl der Schallaustrittslöcher gewährleistet bereits bei einer Einstellung des Lautstärkereglers zwischen den Markierungen 1 und 2 eine sehr gute Wiedergabe.
Der Einsatz einer Ferritstabantenne ermöglicht durch horizontale Lageveränderung des Gerätes die optimale Ausrichtung auf den empfangenen Sender. Dieser Peileffekt wird durch die Dipolantenne unterstützt. Durch Veränderung des Aufstellwinkels und der Länge beider Teleskopstäbe kann zusätzliche Empfangsverbesserung erzielt werden. Die HF-Vorstufe (T3, T4) hat einen hochohmigen Eingangswiderstand und wird über C10 direkt an den heißen Anschluss der Ferritstabspule gelegt. Als Drehko dient das noch freie 265-pF-Paket des Audiondrehkos (C"1"). Die Betriebsspannung des HF-Verstärkers beträgt 2 V. Durch die Reihenschaltung von D1, D2, D3 wird dieser Wert stabilisiert.
Eine Ankopplung der HF-Vorstufe an das Audion erfolgt über C12 auf den Antenneneingang A 2. Damit das Retroradioaudion auch im Originalzustand betrieben werden kann, befindet sich zwischen dem Ausgang C12-A 2 und dem Plusanschluss der Vorstufenplatine ein Schiebeschalter, der sich im Gerät befindet. Die rote LED 2 informiert über den Betriebszustand HF-Vorstufe „Ein". Da diese Leuchtdiode direkt am Eingang der Stromversorgung des Gerätes angeschlossen ist, kann über ihre Helligkeit der Batteriezustand abgeschätzt werden. R11 ermöglicht einen individuellen Anzeigeabgleich. Der Foliendrehko des Empfängers ist nicht sehr präzise. Hier hilft eine Feinabstimmung. Die von mir verwendete Doppel-Kapazitätsdiode BB 204 hat bei einer Betriebsspannung von 9 V eine Kapazität von 25 pF (6 V=30 pF). Ich finde diese Werte recht akzeptabel. Über R16 wird der Regelbereich des Frequenzreglers P3 abgeglichen.
Er ist im Mustergerät so eingestellt, dass er im 49-m-Band etwa 4 stärkere Nachbarsender erfasst. Um im Kurzwellenbereich möglichst vielen Rundfunkstationen eine Sendefrequenz zu ermöglichen, wird im 5 kHz Raster gearbeitet. Dadurch ist das übertragene NF-Spektrum auf maximal 2,5 kHz begrenzt. Die HF-Bandbreite eines KW Senders beträgt Trägerfrequenz + /- 2,5 kHz. Beispiel Deutsche Welle: Trägerfrequenz = 6075 kHz. Unteres Seitenband 6072,5 kHz, oberes Seitenband 6077,5 kHz. Daraus ergibt sich eine HF-Bandbreite von 5kHz. Zur Erhöhung der Trennschärfe an den Seitenbändern kann in hochwertigen KW Empfängern die ZF Bandbreite durch schaltbare Filter auf 4kHz bzw. 2,3 kHz verkleinert werden.
Um diesen Effekt nachzubilden dient im KWE 2010 die Kombination P4, C19. Die relativ hohe Kapazität von C19 ermöglicht eine erhebliche Verkleinerung der NF-Bandbreite und damit der Ausblendung von Störgeräuschen benachbarter Sender. Über die grüne LED 3 kann die NF Modulation des empfangenen Senders beobachtet werden (die Diode leuchtet im Takt der NF Modulation und unterschiedlicher Helligkeit entsprechend der Amplitude). Durch Abstimmen der Senderwahl auf die Amplitudenspitzen kann der Empfänger sehr präzise auf die Empfangsfrequenz eingestellt werden. Der Anzeigeverstärker (T5, T6) arbeitet als Transistordarlington. Bei dieser Schaltungsart multipliziert sich die Stromverstärkung beider Transistoren.
Ich habe zwei BC108 mit einem hFE von jeweils 600 eingesetzt. Dadurch ergibt sich die beachtliche Gesamtverstärkung von 360000. Die Anzeige arbeitet bereits bei einer geringen Lautstärke gut sichtbar. Eine Übersteuerung (Dauerleuchten) wird durch die Strombegrenzung von R14 verhindert. Mit dem Einstellregler R13 wird die Ansprechschwelle eingestellt. LED 3 sollte sich ohne Modulation kurz vor dem Glimmzustand befinden.

HF-Abgleich:
Da im 75 m Band (3900 kHz bis 4000 kHz) nur noch das deutsche Relais für diverse Auslandsdienste 3955 kHz und Magyar Radio Budapest auf 3975 kHz als empfangswürdige Stationen einzustufen sind, habe ich bei meiner Konzeption diesen Frequenzbereich nicht berücksichtigt. Das Gleiche gilt für das 31 m Band, das beim Retrokurzwellenradio nur teilweise zu empfangen ist. Der KWE 2010 ist für den Empfang zwischen 5000 kHz bis 8000 kHz ausgelegt.
Bei eingeschobenen Teleskopstabantennen und Feinabstimmung auf Mittenstellung wird der Senderwahlknopf in Stellung 6000 kHz (Skaleneinteilung) gestellt. Danach wird die Ferritstabspule in ungefähr die Position gebracht wie sie auf der Abbildung der Innenansicht des KWE 2010 zu sehen ist. Die Spule des Audions wird durch Drehen ihres Kerns auf etwa die Mitte des 49m Bandes abgeglichen. Als Orientierungspunkte dienen hier sehr gut die Sender Deutsche Welle (6075 kHz) und das DRM Signal des Bayrischen Rundfunk (6085 kHz). Anschließend wird durch Verschieben der Antennenspule auf dem Ferritstab der Empfang der Sendersignale auf ein Maximum gebracht. Gegebenenfalls sind die Abgleichschritte wechselseitig zu wiederholen bis ein optimaler Empfang erreicht ist.
Aufbauhinweise: Die Masse der HF Vorstufenplatine und der Masseanschluss der Ferritstabantennenspule müssen unbedingt direkt auf den Mittelanschluss des Drehkos (Drehkomasse) gelötet werden, da sonst das Gerät schwingen könnte. Durch die hohe Lautstärke des Gerätes entsteht über die Frontseite eine akustische Rückkopplung zwischen Lautsprecher und Retroradioplatine. Zwei dünne Gummistreifen (Einweckgummi o.ä.) zwischen Drehko und Gehäusefront verhindern diesen Effekt.
Empfangsergebnisse: Alle wichtigen europäischen Stationen können ohne zusätzlichen Antennenaufwand in hoher Lautstärke gehört werden. Selbst der Empfang von Radio Kairo (6290 kHz) in den späten Abendstunden veranlasst mich zum Zurückdrehen des Lautstärkereglers. Durch den Einsatz einer Ferritstabantenne kann das Gerät optimal auf den gewünschten Sender gerichtet werden. Lange Antennendrähte oder Erdleitungen sind bei der Verwendung des KWE 2010 als Reiseempfänger überflüssig.
Stückliste:
C9=12p; C10=240p; C11=10n; C12=10n; C13=47µ; C14=100n, C15=470n; C16=2200µ; C17=100n; C18=470µ; C19=300n; C20=10µ; C21=10µ
R5=1M; R6=10K; R7=470K; R8=4,7K; R9=1K; R10=1K; R11=5K; R12=470K; R13=250K; R14=230 Ohm; R15=100K; R16=250K; R17=100 Ohm; P3=470K; P4=47K
T3,T4=BF199; T5,T6=BC108C; LED2=rot; LED3=grün; D1,D2,D3=1N4148
Lautsprecher= Korbdurchmesser 75 mm/ 8 Ohm/0,5 W; Ferritstabantennenspule= 12 Windungen stark verzinnter Kupferdraht, Durchmesser 1,2mm
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