Silicon Labs SI4735
Testbericht von Burkhard Kainka
Der SI4735 von Silicon Labs ist ein nur 3 mm x 3 mm großer Baustein, der einen kompletten AM/FM-Empfänger mit LW, MW, KW und UKW enthält! Intern arbeitet ein kompletter DSP als Filter und Demodulator. Inzwischen konnte ich ein Evaluation-Board bekommen, das einen ersten Test der Empfangseigenschaften erlaubt. Um es kurz zu sagen: Ein ganz erstaunlicher Empfänger!
Das komplette Testboard besteht aus der eigentlichen Empfängerplatine, einem Board mit Mikrocontroller und Schnittstellen sowie einer Antennenplatine mit Ferritstab und Antennenbuchse. Steuerung und Spannungsversorgung laufen über den USB. Das Ausgangssignal kann direkt über die Kopfhörerbuchse gehört werden, ich schließe aber hier eine PC-Aktivbox an. Ein Anschluss an die PC-Soundkarte ist nicht erforderlich.
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Beim Anschluss des USB-Kabels initialisiert sich ein HID-Gerät, man braucht also keinen USB-Treiber. Die mitgelieferte Software initialisiert die Platine zunächst, wobei man zwischen AM und FM-Funktion wählt. Hier wird zuerst der AM-Bereich vorgestellt.

Dann erscheint der eigentliche Empfänger auf dem Bildschirm. Hier wurde die Ferritantenne verwendet. Im Chip befindet sich eine Kapazitätsdiode, die den Eingangskreis automatisch optimal abstimmt (Varactor 1350). Man sieht die HF-Eingangsspannung (35 dBuV, ca. 60 µV) und den Störabstand (SNR: 20 dB). Der Klang ist bei einem SNR von 20 dB schon sehr gut. Mit den >-Tasten kann man im Kanalraster abstimmen, mit den >>-Tasten startet man einen automatischen Suchlauf. Diesen Suchlauf führt das IC selbständig durch. Es verwendet dazu zwei Grenzwerte, die man getrennt einstellen kann, den Eingangspegel und das SNR. Nur wenn beide Grenzwerte überschritten werden, bleibt der Empfänger an dieser Frequenz stehen. Auf diese Weise erscheinen nur solche Sender, die tatsächlich gehört werden können. Auf Mittelwelle führt das bei mir wegen des hohen Störnebels dazu, dass auch am Abend nur wenige Stationen automatisch gefunden werden.

Alle wichtigen Einstellungen sind per Software möglich. Auch die Empfangsbandbreite lässt sich in weiten Grenzen wählen. Es stehen Einstellungen mit 1, 2, 3, 4 und 6 kHz zur Verfügung, gemeint ist vermutlich die NF-Bandbreite, d.h. die Filterbandbreite reicht bis 12 kHz. Die Trennschärfe ist übrigens außerordentlich gut, d.h. Filtersteilheit und Nachbarkanaldämpfung lassen wie bei anderen SDR-Konzepten keine Wünsche offen.
Ganz erstaunlich ist der durchgehende Kurzwellenbereich von 2,3 MHz bis 23 MHz. Der Empfänger verträgt hohe Eingangspegel bis 80 dBuV (100 mV!). Ich schieße direkt eine Langdrahtantenne an, ohne dass eine Übersteuerung feststellbar ist. Gegen Abend konnte der automatische Suchlauf mehr als 100 Stationen mit brauchbarem SNR finden.
Eine spezielle Funktion der Testsoftware erlaubt es den ganzen Bereich durchzuscannen und aufzuzeichnen. Man sieht so das gesamte Spektrum. Das folgende Ergebnis wurde mittags gegen 13 Uhr an der Langdrahtantenne aufgenommen:
Man erkennt den Verlauf des allgemeinen Störnebels und starke Stationen bis fast 60 dBuV (1 mV) z.B. im 49-m-Band. Man kann jedoch auch das SNR aufzeichnen und erhält dann einen besseren Eindruck von der tatsächlichen Bandbelegung.
Fazit: In den AM-Bereichen reicht die Empfangsqualität zwar nicht an Spitzenempfänger heran, die Ergebnisse sind aber für eine voll integrierte Lösung ganz erstaunlich gut! Besonders gelungen ist der automatische Suchlauf mit Berücksichtigung des SNR.
UKW
Im UKW-Bereich zeigt der Empfänger ganz hervorragende Empfangseigenschaften. Insbesondere der Klang erscheint mir außerordentlich gut. Dazu kommt ein wirksamer Suchlauf, Radiotext-Empfang und natürlich Stereo.
Interessant finde ich die Möglichkeit, mit diesem Empfänger die Feldstärke aller vorhandenen Stationen auszumessen. Die Eingangsspannung bis zu knapp 1 mV kommt übrigens nicht von einer speziellen UKW-Antenne sondern vom Audiokabel, da üblicherweise das Kopfhörerkabel als UKW-Antenne verwendet wird.

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