Erste Schritte mit dem digitalen Rundfunk DRM
von Burkhard Kainka
Literatur: DRM-Empfangspraxis (E-Book, PDF-Download)
Schon seit einigen Jahren gibt es DRM-Sender, aber bis heute nur wenige DRM-Empfänger. Das ist ein Grund zum Lötkolben zu greifen und selbst ein passendes Gerät zu bauen. Gestern Abend habe ich mal mit einem normalen AM-Radio über die Mittewelle gedreht und gesehen, dass gleichzeitig drei starke DRM-Stationen empfangen werden konnten. Man erkennt sie an ihren besonderen Klang, einem scharfen Rauschen. Dann habe ich meinen Elektor-SDR eingeschaltet und diese Stationen angehört. Radio Vatikan kommt nur selten so gut bei mir in Essen an, aber diesmal kam alles in bestem Italienisch ganz klar rüber.

1611 kHz

1593 kHz

1296 kHz
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Wer jetzt am Anfang mit eigenen Empfangsversuchen dabei sein will, ist noch auf einen PC mit entsprechender Decodersoftware angewiesen. Dafür lassen sich aber sehr einfache Empfänger einsetzen. Auch dem wenig in HF-Dingen erfahrenen Hobbyanwender gelingt der Aufbau eigener Empfänger. Alles was man braucht ist ein Empfänger mit einer Zwischenfrequenz von 12 kHz, die dann der PC-Soundkarte übergeben wird. Den Rest erledigt die Decoder-Software wie das DRM Software Radio oder DREAM.

6095 kHz
Das Bild zeigt das Decoder-Programm DREAM beim Empfang von RTL-DRM auf Kurzwelle. Man erhält grundsätzlich die Stationskennung mitgeliefert, manchmal auch zusätzliche Textinformationen oder Bilder. Außerdem sieht man hier, dass in Stereo gesendet wird, genauer gesagt in Parametric-Stereo, was mit etwas geringerer Qualität daherkommt als das übliche UKW-Stereo. Die Klangqualität wird allgemein als UKW-nah bezeichnet, d.h. sie kommt nicht ganz an UWK heran. Aber gegenüber dem üblichen AM-Rundfunk ist es ein gewaltiger Fortschritt. Das Ergebnis ist absolut nicht mehr mit dem alten AM-Standard zu vergleichen. Rauschen, Knistern und Pfeifen, die typischen Störungen auf Mittel- und Kurzwelle gibt es nicht mehr. Und das bei einer großen Reichweite der Sender, wie man sie vom AM-Rundfunk gewohnt ist.

Zusätzliche Informationen erhält man im Evaluation Dialog des Programms. Man sieht hier das Spektrum des Senders. Es sieht aus wie ein 10 kHz breites Rauschband. Tatsächlich verbergen sich dahinter rund 200 einzelne Signale, die amplituden- und phasenmoduliert sind und gemeinsam die digitalen Informationen tragen. 10 kHz oberhalb des Signals erkennt man einen traditionellen AM-Sender mit seinem typischen Trägersignal im Zentrum und den Seitenbändern, die die Modulation tragen. Interessant ist, dass sich die DRM-Signale genau an die Bandbreite und den Kanalabstand des AM-Rundfunks halten (9 kHz auf Mittelwelle und 10 kHz auf Kurzwelle) und in den gleichen Rundfunkbändern ausgestrahlt werden. Mit einem guten AM-Empfänger muss es daher auch zu keiner gegenseitigen Störung kommen. Ja. Es ist sogar möglich, dass der gleiche Sender zu einer Zeit AM ausstrahlt und zu einer andern Zeit DRM, wie dies z.B. beim Mittelwellensender von RTL auf 1440 kHz der Fall ist.
Für einen DRM-Empfänger braucht man eigentlich nur eine Mischstufe, die das Antennensignal auf 12 kHz oder irgendwo in den Bereich 5 kHz bis 15 kHz heruntermischt, da DREAM sehr flexibel in Bezug auf die Lage der Zwischenfrequenz ist. Am einfachsten gelingt das mit einem Quarz, der etwas unterhalb oder oberhalb der Sendefrequenz schwingt. Beim Empfang kommt es nämlich auf höchste Frequenzkonstanz an, die ein frei schwingender Oszillator nur mit Schwierigkeiten erreicht.
Die ersten Versuche führt man am besten mit preiswerten Standardquarze durch. Vier mögliche Stationen können mit einem Direktmischer und einem Quarz von 4 MHz, 6 MHz oder 6,144 MHz empfangen werden.

Der Empfänger (sieche auch: verschiedene Aufbauvarienten) mischt die Empfangsfrequenz in die NF-Lage herunter. Das DRM-Basisband erscheint dann bei 7 kHz für die Frequenzen 3995 kHz und mit dem passenden Quarz bei 6140 kHz bzw. bei 17 kHz für 6130 kHz bzw. bei 12 kHz für das französischen RTL-DRM bei 5990 kHz. Zu beachten ist noch, dass das Spektrum invertiert wird, weil der Mischer-Oszillator oberhalb der Empfangsfrequenz schwingt. In der Software muss daher die Option "Flip Input Spectrum" gewählt werden.
Als Antenne genügt unter günstigen Bedingungen bereits ein in der Wohnung ausgespannter drei Meter langer Draht. Bessere Ergebnisse erzielt man mit einer im Freien aufgehängten Drahtantenne von ca. 10 Metern. Meist ist der Signalpegel mehr als ausreichend. Falls trotzdem ein zu geringer Störabstand von unter 15 dB angezeigt wird, kann es an breitbandigen Funkstörungen liegen. Unter guten Bedingungen erreicht der Empfänger einen Störabstand bis über 20 dB.

Im Heft 4/2004 hat sich das Magazin FUNKAMATEUR mit dem Thema DRM beschäftigt und einen kompletten Bausatz für einen DRM-Direktmischer herausgebracht. Dazu wurde ein Spezialquarz mit 6107 kHz in größeren Stückzahlen hergestellt. Damit kann man nun RTL-DRM auf 6095 kHz empfangen.

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