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Ratgeber: Röhrenradio
Röhren-Empfangspraxis ...
Beim Abstimmen werden Sie einzelne Kurzwellenbänder mit mehreren Sendern finden. Auf Kurzwelle erreicht man zwar auch am Tage eine hohe Reichweite, viele Sender werden jedoch erst am Abend eingeschaltet.
Das Radio benötigt vier 1,5-V-Alkalizellen eine 9-V-Blockbatterie. Schalten Sie es ein und drehen Sie den Lautstärkeregler auf mittlere Lautstärke. Nach einigen Sekunden sehen Sie das rote Leuchten der Röhrenkathode. Schließen Sie den Erddraht an E und den Antennendraht an A1 an.
Drehen Sie den Rückkopplungsregler auf Mittelstellung und suchen Sie mit dem Drehkoknopf einen Sender. Drehen Sie den Rückkopplungsregler immer weiter auf. Die Lautstärke steigt damit an, sodass Sie den Lautstärkeregler zurückdrehen müssen. Finden Sie am Rückkopplungsregler die Einstellung mit der besten Empfangsleistung. Sie kann sich mit der Frequenzeinstellung ändern, sodass man den Rückkopplungsregler jeweils nachregeln muss. Wenn Sie die Rückkopplung zu stark einstellen hören Sie laute Pfeifgeräusche.
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Betrachten Sie die Röhre im Betrieb aus verschiedenen Blickwinkeln. Sie können die heiße, rot leuchtende Kathode sehen. Das Licht spiegelt sich teilweise an anderen Teilen der Röhre. Helligkeit und Farbtemperatur der Kathode geben einen Hinweis auf den Zustand der Heizbatterie. Die Röhrenheizung benötigt 175 mA. Zusammen mit dem Endverstärker braucht der Empfänger 200 mA. Alkalibatterien mit einer Kapazität von 2000 mAh erreichen damit eine Betriebsdauer bis zu 10 Stunden. Wenn das Kathodenglühen deutlich nachlässt müssen die Batterien getauscht werden.
Beim Abstimmen der Frequenz werden Sie einzelne Kurzwellenbänder mit mehreren Sendern finden. Auf Kurzwelle erreicht man zwar auch am Tage eine hohe Reichweite, viele Sender werden jedoch erst am Abend eingeschaltet. Unterhalb 4 MHz befindet sich das 75-m-Band, das auf vielen Kurzwellenradios fehlt. Hier hört man am Abend einige wenige interessante Stationen. Das 49-m-Band bei 6 MHz ist mit zahlreichen europäischen Stationen dicht belegt. Einige Frequenzen werden nacheinander von verschiedenen Sendern benutzt. Das 41-m-Band oberhalb 7 MHz wird erst am Abend stark verwendet. Im 31-m-Band um 10 MHz und im 25-m-Band um 12 MHz werden oft weiter entfernte Sender hörbar. Oft lassen sich auch außereuropäische Stationen empfangen. Zwischen den Rundfunkbändern gibt es zahlreiche Stationen in CW (Morse-Telegrafie), SSB (Einseitenband-Sprechfunk), RTTY (Funkfernschreiben) und Wetterfax (Bildfunk). All diese Stationen können nur mit angezogener Rückkopplung gehört werden.
Die beste Einstellung des Rückkopplungsreglers erfordert einiges Geschick und viel Übung. Beim schnellen Abstimmen über die einzelnen Rundfunkbänder kann man zunächst mit angezogener Rückkopplung suchen, wobei die einzelnen Sender mit starkem Pfeifen zu hören sind. Drehen Sie dann die Rückkopplung so weit zurück, dass die Sender klar zu hören sind. Bei optimaler Einstellung der Rückkopplung und nicht zu starker Antennenkopplung ist das Audion sehr trennscharf und hat eine geringe Empfangsbandbreite von unter 10 kHz. Damit muss auch die Abstimmung des Drehkos sehr genau durchgeführt werden. Bei starken Stationen regelt sich die Rückkopplung selbst etwas zurück, die Bandbreite steigt damit an.
Testen Sie den Empfänger mit unterschiedlichen Antennenanschlüssen und verschiedenen Antennenlängen. Eine lange Außenantenne kann am Anschluss A3 mit der geringsten Kopplung eingesetzt werden. Eine zu starke Antennenkopplung erkennen Sie daran, dass der Empfänger auch bei ganz aufgedrehter Rückkopplung nicht mehr an den Schwingungseinsatz kommt und damit weniger Lautstärke und weniger Trennschärfe bringt.
Die Skala eichen
Die aufgedruckte Frequenzskala reicht von 3,5 MHz bis 12 MHz. Damit die angezeigten Frequenzen möglichst genau stimmen müssen Sie den Empfänger abgleichen. Sie benötigen dazu zwei Radiostationen mit bekannter Frequenz am unteren und am oberen Rand des Bereichs oder ein zweites Radio zum Vergleich.
Stellen Sie zunächst den oberen Sender ein. Verstellen Sie dann den Trimmkondensator oberhalb C2 auf dem Drehko mit einem Schraubendreher, bis der Sender an der richtigen Stelle der Skala liegt. Im Allgemeinen muss der Trimmer auf mittlere Kapazität eingestellt werden. Stellen Sie dann einen Sender am unteren Bereich ein. Verstellen Sie nun den Ferrit-Schraubkern der Spule, bis die Skala optimal stimmt. Die Frequenz wird tiefer, wenn der Kern weiter in die Spule eintaucht. Dabei kann sich auch die obere Einstellung wieder etwas verschieben. Wiederholen Sie also die Einstellung am oberen Ende noch einmal.
CW und SSB
Empfangen Sie Morsesender am unteren Ende des 80-m-Amateurfunkbands ab 3,5 MHz. Die Rückkopplung sollte dabei gerade über dem Schwingungseinsatz eingestellt sein. Die gehörte Frequenz entspricht dem Abstand der Sendefrequenz von der Oszillatorfrequenz des Audions. Für klaren Empfang muss die Frequenz sehr genau eingestellt werden. Weitere CW-Sender finden Sie im 40-m-Amaterufunkand ab 7 MHz.
Die übliche Sprechfunk-Betriebsart im Amateurfunk ist SSB (Single Side Band, Einseitenband-Modulation). Um diese Stationen empfangen zu können muss mit angezogener Rückkopplung ein eigener Träger zugesetzt werden. Der Empfang erfordert eine sehr genaue Einstellung der Frequenz. Da der Empfänger nicht abgeschirmt ist können Sie durch Annäherung mit der Hand eine Feinabstimmung erzielen. Wenn Sie eine typische Mickymausstimme hören muss die Frequenz etwas korrigiert werden. Die richtige Einstellung gelingt mit etwas Übung. SSB-Sender finden Sie vor allem am Abend im 80-m-Band zwischen 3,6 MHz und 3,8 MHz sowie im 40-m-Band zwischen 7 MHz und 7,2 MHz. Außerdem können Sie kommerzielle SSB-Stationen zwischen den Rundfunkbändern finden, z.B. den Flugwetterdienst bei 5,5 MHz.
Mit angezogener Rückkopplung ist noch vieles mehr zu entdecken. Maschinentelegrafen erkennen Sie an ihrem trällernden Ton. Der Deutsche Wetterdienst sendet regelmäßig Wetterfax-Bilder bei 3855 kHz mit 120 Zeilen pro Minute. Man hört ein regelmäßiges Signal mit zwei Durchläufen pro Sekunde. Für die Dekodierung solcher Stationen gibt es besondere Geräte und auch PC-Software.
DRM
In den Rundfunkbändern treffen Sie auch auf Stationen mit dem neuen digitalen Übertragungsverfahren DRM (Digital Radio Mondiale). Mit dem Audion hören Sie nur ein starkes Rauschen. Zur Dekodierung braucht man einen sehr stabilen Empfänger, einen PC und die passende Decoder-Software. Die Sender übertragen ihr Programm dabei mit UKW-ähnlicher Qualität, mit zusätzlichen Textmeldungen und teilweise in Stereo. Der Empfänger allein ist nicht ausreichend stabil, kann jedoch zusammen mit einem externen Oszillator für den DRM-Empfang eingesetzt werden. Ein Ergänzungsset mit einem Quarzoszillator und passenden Quarzen wird passend für dieses Radio vom Franzis-Verlag angeboten.
Die Röhre erfüllt drei Aufgaben: Verstärkung, Entdämpfung des Schwingkreises und Demodulation des HF-Signals. Die Pentode 6J2 wird mit einer Verbindung zwischen Schirmgitter und Anode in Triodenschaltung betrieben. Der Gitterwiderstand R1 ist mit der Anode verbunden und erhöht damit die Gittervorspannung. Damit wird bei geringer Anodenspannung ein ausreichend großer Anodenstrom erreicht. Mit der Kathode an der Mittelanzapfung des Schwingkreises wird verstärkte HF-Energie in den Kreis zurückgekoppelt. Die Röhre arbeitet in Hartley-Oszillatorschaltung. Ein Empfangssignal wird dadurch verstärkt. Gleichzeitig bewirkt die Gitterdiode eine Gleichrichtung des HF-Signals und damit eine Demodulation.
Durch passende Einstellung der Anodenspannung kann mit dem Rückkopplungsregler P1 die Verstärkung so gewählt werden, dass der Oszillator gerade noch nicht schwingt. Mit diesem Arbeitspunkt gleicht die Röhre alle Verluste aus, die im Schwingkreis auftreten. Der Gütefaktor kann von ca. 50 bis auf über 1000 erhöht werden. Bei einer Empfangsfrequenz von 6 MHz beträgt die Bandbreite etwa 6 kHz, man kann also auch Sender trennen, die dicht nebeneinander liegen.
Die Entdämpfung führt gleichzeitig zu einer Anhebung der Signalamplitude. Am Steuergitter der Röhre können daher HF-Spannungen von mehreren 100 mV auftreten. Die AM-Signale werden an der Gitterdiode demoduliert, indem bei größerer HF-Amplitude der Gitterstrom steigt und die Gitterspannung sinkt. Am Gitter liegt daher zugleich das demodulierte NF-Signal und moduliert den Anodenstrom. Das NF-Signal erscheint damit am Anodenwiderstand R2. T2 bildet einen NF-Vorverstärker für den integrierten Verstärker IC1.
Das Radio verwendet zwei Batterien. Vier Mignon-Zellen mit zusammen 6 V versorgen die Röhrenheizung und den NF-Verstärker. Eine zusätzliche Anodenbatterie mit 9 V liegt in Reihe zur Heizbatterie. Die Anodenspannung beträgt daher bis zu 15 V. Weil der Betriebsschalter am Lautstärkepoti nur einen Kontakt hat sorgt der Transistor T1 für die Abschaltung der Anodenbatterie. Tatsächlich liegt im ausgeschalteten Zustand eine Spannung von 9 V an der Anode, am Schirmgitter und am Steuergitter. Da aber die Röhrenkathode kalt ist fließt in diesem Zustand kein Strom. Schaltet man die Betriebsspannung ein wird T1 leitend und legt das untere Ende von P2 an Masse. Der Betriebsstrom der Anodenbatterie beträgt weniger als 1 mA, sodass sie normalerweise länger hält als die Heizbatterie.
Tipps und Tricks
Anodensapnnung 6 V?
Bei der Entwicklung der Schaltung wurden umfangreiche Tests durchgeführt um die Streuungen in den Röhrendaten zu beherrschen. Alle Röhren wurden zwar vom Hersteller sorgfältig getestet, jedoch bei ihrer nominellen Betriebsspannung von ca. 100 V. Bei kleiner Anodenspannung kann es anders aussehen. Das war einer der Gründe, warum die Pentode hier in Triodenschaltung verwendet wird. (siehe Pentoden in Triodenschaltung). Ich hatte 100 Röhren, die einzeln im Radio getestet wurden. Dabei zeigte sich, dass viele der Röhren sogar schon mit 6 V auskommen. Testen Sie das einmal: Wenn Ihr Rückkopplungsregler zu weniger als 1/3 aufgedreht werden muss haben Sie eine dieser Röhren erwischt. Sie können dann die 9-V-Batterie weglassen und den Batterieclip überbrücken.
Rückkopplungseinsatz verschieben
In sehr seltenen Fällen kann es vorkommen, dass eine Röhre in diesem Radio einen harten Rückkopplungseinsatz zeigt. Dabei treten auch starke Verzerrungen auf. Oft zeigt sich dann, dass es eine ganz bestimmte Anodenspannung gibt, bei der dieses Phänomen auftritt. Gelingt es die Dämpfung zu verringern, bleibt die Anodenspannung darunter, bei mehr Dämpfung muss der Rückkopplungsregler höher eingestellt werden und kommt ebefalls in einen Bereich des weichen Schwingungseinsatzes. Sie können deshalb mit einer veränderten Antennenkopplung experimentieren. Eine festere Kopplung kann die Lösung bringen. Eine andere Lösung ist ein Dämpfungswiderstand: Legen Sie einen Widerstand von 1 kOhm oder 470 Ohm zwischen E und A1, also an die Kathodenanzapfung der Spule. Damit verschiebt sich der Rückkopplungseinsatz hin zu etwas höherer Spannung.
Ein Tipp von Sebastian Foelz: Anodenwiderstand 10 k
Am Donnerstag kam das Paket mit dem Bausatz an. Abends habe ich es dann aufgebaut. Nach der Inbetriebname war ich etwas entäuscht: harter Schwingungseinsatz mit "pumpen", am unteren Ende bei c.a 8,5V, am oberen Ende bei c.a. 6,3V Anodenspannung an P1 gemessen; absolut leiser Empfang. Heute habe ich versuchsweise den Widerstand R2 von 1kΩ auf 10kΩ erhöht. Der Erfolg ist überwältigend: weicher Schwingungseinsatz, bessere Linearität, Steigerung der Lautstärke u.s.w. Kann sein, dass dadurch die Trennschärfe etwas gelitten hat.
Jedenfalls hat das Basteln mal wieder richtig Spaß gemacht.
Hinweis dazu von B.Kainka: Bei der Entwicklung hatte sich das bei einigen Röhren gut bewährt, andere kamen mit einem größeren Anodenwidersatnd nicht an den Shwingungseinsatz. Man kann das leider nicht verallgemeinern, so wie den 6-V-Betrieb bei einigen Röhren. Aber einen Test ist wert. Ich vermute, dass die Trennschärfe nicht leidet.
Siehe auch:
Röhrenaudion mit 6 V
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