Nüchterne Elektronik eignet sich durchaus für Kunstobjekte.
In meiner Praxis als Elektroniker ist mir aufgefallen, dass selbst Fachfremde immer wieder von sauber und ästhetisch gestalteten Leiterplatten fasziniert sind.
Manche wollen sogar abstrakte Kunstwerke erkennen. Diese Beobachtungen brachten mich auf die Idee des Wandbildes „electronics" mit integriertem 4-Kanal Lichtorge-Mittelwellenradio.
Sie reicht von weiß, grau, gelb, rosa, hellgrün, grün, dunkelgrün, hellrot, rot, dunkelrot, blau, schwarz bis Kupfer, Messing, silbernen und goldenen Farben.
Ihre unterschiedlichsten Bauformen in Kombination mit ihrer Platzierung und Farbkombination ergeben ein schier unendliches Feld für kreatives Gestalten. Besonders interessant werden solche künstlerischen Projekte wenn mit ihnen eine optische und akustische Funktionalität verbunden ist.
In letzter Zeit kann ich beobachten, dass immer mehr Musiksender neben ihren UKW Frequenzen die Mittelwelle neu entdecken.
So strahlt seit Anfang dieses Jahres die Rundfunkstation „Oldie Star" sein Musikprogramm neben seMotto „Wir senden wieder auf der kultigen Mittelwelle" auf 603 kHz, Standort Berlin Zehlendorf für die Region Berlin-Brandenburg aus.
Das Jugendprogramm „on3radio" des Bayrischen Rundfunks auf 729 kHz (Hof) und 801 kHz (Ismaning) oder Radio Bremen Eins auf 936 KHz sind weitere Beispiele dafür. Das Mittelwellenradio wird also wieder zum Kultobjekt.
Zu einem Kultobjekt gehört eine Lichtorgel. Die war besonders in den siebziger Jahren ein Renner.
Im Wandbild „electronics" werden die Tiefen über eine rote LED, die mittleren Frequenzen über eine grüne LED und die Höhen über eine gelbe LED optisch wiedergegeben. Ein vierter Kanal zeigt das Mittenspektrum durch drei parallel geschaltete LED (rot, grün, gelb in rechteckiger Bauform)). Durch diese parallel geschalteten Dioden entstehen durch die unterschiedliche Leuchtkraft der Dioden, bedingt durch ihre Farben, interessante optische Effekte.
Das Farbenspiel der Lichtorgel lenkt sofort alle Augen auf das Bild. Für meine Besucher ist das „electronics" ein absolut interessanter Blickfang. Durch einen an der Rückwand ausklappbaren Aufsteller kann das Gerät auch als Schreibtischdekoration, auf Möbelstücken usw. verwendet werden.
Das komplette Radio (außer Lautsprecher) mit Lichtorgel befindet sich zwischen den Dekorationsbauelementen auf der linken Platine. Die Schaltung ist über die gesamte Leiterplatte auseinander gezogen. Dadurch ist sie sehr schwingungsstabil. Deshalb kann die Verstärkung relativ hoch eingestellt werden. Bei Einhaltung der Transistorbestückung reicht die Empfindlichkeit für den Empfang von einer Reihe von europäischen Fernsendern, die Lichtorgel-tauglich sind.
Der HF-Eingangsteil weist keine Besonderheiten auf. T1 (BC 550) sorgt mit seiner hohen Verstärkung (hFE ca. 600) für einen gute Anpassung an den Eingangsschwingkreis. Da sich der Eingangswiderstand einer Kollektorstufe = Verstärkung x Arbeitswiderstand ergibt, liegt die Schaltung im Mega-Ohm Bereich. Für die Senderwahl ist ein FM/AM Foliendrehko eingesetzt. Die Windungszahl der Antennenspule (L 1)ist mit ca. 50 Windungen relativ niedrig dimensioniert. Bei der Betriebsart Mittelwelle 2 arbeitet der Eingangsschaltkreis mit einem AM Drehkopaket. Dadurch steht ein gespreizter Empfangsbereich zwischen 900 kHz bis 1620 kHz zur Verfügung. Dieser Bereich wurde von vielen Rundfunkgeräteherstellern als Europabereich bezeichnet, da hier in den Abendstunden eine hohe Anzahl europäischer, oft weit entfernter Sender gehört werden können. In Betriebsart Mittelwelle 1 werden über den Schalter S 1 das zweite AM Paket und beide FM Pakete parallel zum Schwingkreis geschaltet. Jetzt ist der Rundfunkempfang zwischen 530 kHz bis 1000 kHz möglich.
Der genaue Abgleich erfolgt über das Verschieben der Antennenspule auf dem Ferritstab und die Drehkotrimmer. Um die untere MW Frequenz von 530 kHz zu erreichen hat sich bei mir noch eine zusätzliche Kapazität von 39pF (C2) als notwendig erwiesen. Die HF Verstärkerstufen T2, T3 sind mit dem HF Transistor BF 199 bestückt. Dieser Transistor wird oft in ZF Verstärkern eingesetzt. Seine Verstärkung liegt bei „nur" um den Wert 100. Das ist vom Hersteller gewollt, denn er soll durch reduzierte Verstärkung zur Stabilität eines HF Verstärkers beitragen. Durch R9 wird bei voll aufgedrehten P1 der HF Teil in leichtes Schwingen gebracht. Jetzt kann über P1 gut die Empfindlichkeit geregelt werden. Eine sich anschließende AM Demodulation mit AVR Effekt (die Funktion ist in anderen Projekten von mir nachzulesen) liefert das nötige Signal für die Vorverstärkerstufe (T4). Sie ist wieder mit dem hochverstärkenden BC 550 bestückt, denn sie muss Lichtorgel und NF Endstufe ansteuern. Über R10 wird eine verzerrungsfreie Wiedergabe eingestellt. Durch C12 erfolgt die Ankopplung des NF Verstärkers IC 1. Über R14 wird die Verstärkung des IC zwischen 20 bis 200 eingestellt.
Dadurch kann man den LM 386 an seine schwingungsfreie Höchstverstärkung bringen Durch fehlen einer Schallwand erfolgt eine flache Wiedergabe des im Wandbild platzierten Lautsprechers. Ich habe diesen Zustand kompensiert indem ich am Rande des Lautsprecherchassis eine Papphülse angebracht habe, die mit einer starken Pappplatte unterhalb des Lautsprechers verbunden ist. Jetzt ist der Klang optimiert.
C17 koppelt den Lichtorgeltreiber IC2 an: Über R15 wird die Ansprechempfindlichkeit der Orgel abgeglichen. Sollte es bei Erhöhung in Richtung maximaler Empfindlichkeit zum unstabilen Verhalten der Lichtorgel kommen (Verzerrungen bei der Tonwiedergabe des NF Verstärkers) hilft ein keramischer Kondensator von 22n der direkt an die beiden äußeren Anschlüsse des Reglers R15 gelötet wird
. Auch hier kann über C19, R16 eine optimale schwingungsfreie Funktion des IC 2 eingestellt werden. C21, C22, C23, C24 bilden Frequenzpässe, die die unterschiedlichen Leuchtsequenzen der Lichtorgelkanäle steuern. Die Lichtorgelendstufen arbeiten nach dem Prinzip der Darlingtonschaltung. Bei dieser Schaltungsart multipliziert sich die Stromverstärkung beider Transistoren. Bei einem hFE des BC 550 von ca. 600 ergibt sich eine beachtliche Gesamtverstärkung von 360000. Dadurch reagiert die Lichtorgel schon auf eine geringe Ansteuerung.
Die Widerstände zwischen den Anoden der LED und der Plusschiene verhindern durch ihre Strombegrenzung die Übersteuerung der Lichtorgelkanäle (Dauerleuchten). Im Praxistest mit maximalem Eingangssignal hat sich das bestätigt. Über die Regler R18, R21, R24 und R27 wird ein Weißabgleich durchgeführt Alle Farbkanäle sollten sich kurz vor dem Leuchteinsatz befinden. Aber auch hier ist der Kreativität keine Grenze gesetzt. Beispielsweise habe ich durch Zurücksetzung der Empfindlichkeit des Basskanals den Effekt erreicht, dass Bassspitzen besonders gut im Lichtspiel auffallen. Da die Lichtorgel unabhängig von der eingestellten Lautstärke arbeitet, ist ein optischer Effekt trotz zugedrehtem Lautstärkeregler möglich. Durch den HF Empfindlichkeitsregler kann die Helligkeit beeinflusst werden (Empfangspegel verkleinern = geringere Helligkeitsimpulse).
Stückliste:
R1=1M, R2=10k, R3=470K, R4=4,7k, R5=470K, R6=4,7K, R7=470K, R8=10K, R9=25K, R10=100K, R 11=470K, R12=4,7K, R13=200 Ohm, R14=5K, R15=25K, R16=5K, R17=150 Ohm, R18=250K, R19=470K, R20=220 Ohm, R21=250K, R22=470K, R23=220 Ohm, R24=250K, R25=470K, R26=220 Ohm, R27=250K, R28=470K, R29; R30; R31=100 Ohm
C1; C3=FM/AM Foliendrehkondensator, C2=39p, C4=10n, C5=10n, C6=10n, C7=10n, C8=470µ, C9=10n, C10=100n, C11=470µ, C12=100n, C13=100n, C14=10µ, C15=220µ, C16=470µ, C17=10µ, C18=10µ, C19=10µ, C20=100µ, C21=47µ, C22=1µ, C23=22n, C24=2,2µ
T1=BC550, T2;T3= BF199, T4 bis T10=BC550; T11;T12=BC108
D1=1N4148, LED 1;2;3= runde Bauform, rot/ grün/ gelb, LED 4;5;6=rechteckig rot, grün , gelb, IC1;IC2=LM 386,
L1=50 Windungen HF Litze
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