ch wurde Mitte der 60iger Jahre im Alter von 9 oder 10 Jahren vom HF- Bazillus befallen.
Mein Vater zeigte mir den Zeitungsausschnitt "Musik aus der Zigarrenkiste", den ich seither in ehrendem Andenken gehalten habe - ich weiß aber nicht mehr, in welcher Zeitung bzw. Zeitschrift er erschienen war.
Die NF- Ausbeute der Detektorschaltung war an einer ca. 5 m langen Zimmerantenne jämmerlich gering, obwohl wir in nur ca 500 m Entfernung vom 100-kW-MW-Sender Radio Bremens entfernt wohnten. Ich nervte dann völlig unbefangen den örtlichen Radiohändler, der dem kleinen Steppke etwas belustigt empfahl, es mit einer höheren Primärwindungszahl zu versuchen. Das brachte schon ein wenig; deutlich lauter wurde es, als ich versuchsweise die Antenne am heißen Ende des Schwingkreises anschloß (Bild unten, Variante 1). Eine weitere Steigerung brachte, den Schwingkreis ganz wegzulassen, den Kopfhörer direkt an Antenne und Erde anzuschließen und mit der Diode die eine HF-Halbwelle kurzzuschließen. (Bild unten, Variante 2).
Damit war die NF- Ausbeute so groß, dass ich spätabends eine Ohrmuschel des Kopfhörers unter das Kopfkissen legen und durch das Kissen hindurch heimlich Radio hören konnte. Später verwendete ich statt der 2000-Ohm-Hörmuschel einen NF- Ausgangsübertrager und einen Lautsprecher aus einem ausgeschlachteten Röhrenradio; außerdem hatte ich eine leistungsfähigere Antenne entdeckt: mit einer Krokodilklemme hängte ich mich an das ca. 50 m lange Schneefanggitter, das sich auf dem Dach "unseres" Wohnblocks entlangzog. Damit war bescheidener Lautsprecherempfang möglich.
Als mir ein mittelohmiger 150-Ohm-Lautsprecher zulief, baute ich dann ein daraus ein 3-Bauteile-Küchenradio; eine HF-Halbwelle wurde in bewährter Weise mit einer Diode kurzgeschlossen, in Reihe mit dem Lautsprecher lag ein Lautstärkeregler, Antenne und Erde wurden durch Wasserleitung und Schutzleiter der nächsten Steckdose gebildet.
Zwischen den beiden lag jede Menge HF, und diese Quelle war recht niederohmig (offenbar spannten Wasserleitung und Elektroinstallation eine recht große Leiterschleife auf, da wir am Ende des Wohnblocks wohnten und die Einspeisung von Wasser und Strom am gegenüberliegenden Ende erfolgte).
Irgendwann las ich mir an, dass man elektrisch zu kurze Antennen mit einer Verlängerungsspule in Resonanz bringen kann.
Mit einer passenden Verlängerungsspule wurde die Schneefanggitterantenne mächtig niederohmig und ich konnte nennenswerte Leistungen auskoppeln.
Eine direkt angeschlossene Fahrradscheinwerferbirne leuchtete sehr hell, ein Dreheisenamperemeter zeigte fast 1 A Kurzschlussstrom, und die Leerlaufspannung muss so etwa 8 - 10 V betragen haben.
Mein Problem war nun: die Dioden brannten durch; ich musste ein halbes Dutzend parallelschalten und sie mit einem Klemmblech kühlen. Einen NF- Übertrager oder Mittelohm- Lautsprecher brauchte ich nicht; der direkt angeschlossene 8 Ohm- Lautsprecher lieferte mehr als Zimmerlautstärke. Zur Laustärkeregelung verstimmte ich die Resonanz mit einem Drehko. Leider nahm wegen der Schwellspannung der Silizium- Dioden bei verminderter HF- Spannung der Klirrfaktor stark zu; deshalb baute ich dann doch später ein Lautstärke- Poti ein und benuzte den Drehko nur für die Feinabstimmung, weil die Spule etwas zu wenig Induktivität hatte (Bild oben, Powerdetektor 1).
Die Spule war endgültig zu klein, als Radio Bremen 1977 von 1079 kHz auf 936 kHz wechselte, aber ein paar in den oben offenen Spulenkörper gestellte Ferritstäbe erhöhten die Induktivität provisorisch. Einige Jahre später zog ich um und der Detektor dient seither nur noch als Regal- Dekoration.
1999 wurden die Sendemasten Radio Bremens gesprengt und wichen einem Gewerbegebiet. Ursprünglich sollte ein fast 300 m hoher Mast in den Wiesen Bremen-Oberneulands die Versorgung übernehmen. Die Finanzlage Radio Bremens war jedoch schlecht und die inzwischen privatisierte Telekom machte einen Kampfpreis; so gingen die UKW- und UHF- Sender zur Untermiete auf den Bremer Telekom-Turm. Einen MW-Sender konnte sich die kleinste ARD-Anstalt eigentlich gar nicht mehr leisten; da das Weideland jedoch bereits gekauft war (die Lokalpresse witzelte damals, dass Radio Bremen der einzige ARD- Sender mit einer Milchquote sei), wurde ein 50-kW-Sender mit einem unscheinbaren Antennchen errichtet (geknickte Reusenantenne an einem 45-m-Gittermast; der alte MW-Rohrmast war 100 m hoch). In einem Wikipedia- Eintrag werden der Antenne 4,5 dBi Gewinn und Rundstahlcharakteristik zugesprochen, aber das scheint mir reichlich zweifelhaft. Vermutlich wurde die Sendeleistung inzwischen noch weiter reduziert, um Stromkosten zu sparen; im Urlaub höre ich den Sender immer schlechter.
Ich wohne nun etwa 2 km vom Sender entfernt; meine jetzige Antenne ist deutlich kürzer (etwa 15 m Draht unter Dach). Der Trick mit der Verlängerungsspule klappt prinzipiell auch hier, aber die Anordnung ist bei weitem nicht so niederohmig. Die Leerlaufspannung beträgt nur noch 3 V, und so komme ich um einen NF- Trafo nicht mehr herum. Es klirrt und scheppert auch leider etwas - trotz der geringeren Schwellspannung der verwendeten Schottky- Dioden in Spannungsverdopplerschaltung (Bild oben; Powerdetektor 2).
Zum Schluss noch die zugrundeliegende Theorie:
MW-Empfangsdrähte sind in der Regel wesentlich kürzer als eine Viertelwellenlänge. Ihr Verhalten wird näherungsweise durch die folgenden Ersatzschaltbilder beschrieben - G ist eine ideale (HF-) Spannungsquelle ohne Innenwiderstand, RE der Erdwiderstand, Rs die ohmsche Komponente des Strahlungswiderstandes und Cs seine kapazitive Komponente.
RL ist unser Detektor (Gleichrichterdiode plus Kopfhörer bzw. Lautsprecher). Cs ist bei einem kurzen Draht recht hochohmig und verhindert, dass ein nennenswerter Strom in unseren Detektor fließen kann. Eine Verlängerungsspule hebt den kapazitiven Innenwiderstand auf, indem sie die Kapazität zu einem Saugkreis ergänzt und so quasi "wegstimmt" (Bild rechts: Resonanzfall).
So bleiben nur noch die ohmschen Innenwiderstände. Maximale Energieübertragung in unseren Detektor findet statt, wenn Re + Rs = RL. Diese Bedingung ist gegeben, wenn die Spannung unter Last halb so groß ist wie die Leerlaufspannung. Wir könnten also die Impedanz RL unseres Detektors danach auslegen und hätten dann ideale Leistungsanpassung. Allerdings haben wir keine ideale Gleichrichterdiode, sondern eine, die erst bei ein paar 100 mV ihre Arbeit zu verrichten beginnt, und daher kann es sinnvoll sein, die Last hochohmiger auszulegen und damit unterhalb der Leistungsanpassung zu bleiben, damit genügend HF an der Diode liegt.
In herkömmlichen Detektorschaltungen erfolgt das Wegstimmen der kapazitiven Antennenkomponente und die Impedanztransformation in einem Zug durch einen Schwingkreis mit Anzapfungen (eine separate Primärspule bewirkt das gleiche). Der Schwingkreis ist dann für sich nicht in Resonanz, sondern so verstimmt, dass er den kapazitiven Anteil der Antennenimpedanz ausgleicht, und die richtige Wahl der Schwingkreisanzapfungen für Antenne und Detektordiode sorgt für die Impedanzanpassung. Außerdem sorgt diese Standardschaltung dafür (das wird oft übersehen), dass durch die Gleichrichterdiode überhaupt ein Gleichstrom fließen kann, denn ohne Gleichstrompfad keine Gleichrichtung! In der Praxis klappt das alles eher schlecht - die Spulen haben zu wenig Abgriffe, und wenn sie viele hätten, müsste man ohne geeignete Messmittel sehr viel herumprobieren.
Für mich hat es sich daher bewährt, Abstimmung und Impedanztransformation zu trennen. Mein Rezept, für das ein Vielfachmessinstrument reicht: erst mal eine Spannungsverdopplerschaltung mit zwei Schottkydioden wie beim Powerdetektor 2 bauen und damit die Leerlaufspannung an der Antenne messen (liegen da nicht mindestens 2-3 V an, kann man sich den Rest sparen). Dann die Spule einfügen und auf maximalen Kurzschlußstrom abstimmen. Aus Leerlaufspannung und Kurzschlussstrom kann man dann den ungefähren Innenwiderstand der Anordnung abschätzen und danach die Lautsprecher- bzw. Trafo- Eingangsimpedanz wählen. Sollte die Induktivität der Spule zu gering sein: In gewissem Umfang kann man die Induktivität einer Spule erhöhen, indem man einen kleinen Kondensator parallelschaltet. In dem fließt der HF- Strom 180 Grad phasenverschoben wie in der Spule, und von außen hat das die gleiche Wirkung wie eine Erhöhung der Induktivität. Allerdings sind dem Trick Grenzen gesetzt, weil die Verluste zunehmen.
Hier einige bebilderte Wikipedia- Einträge über die Sendeanlagen Radio Bremens:
http://de.wikipedia.org/wiki/Radio_Bremen
http://de.wikipedia.org/wiki/Sender_Leher_Feld
http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelwellensender_Bremen-Oberneuland
Nachtrag:
Am 10.3.2010 wurde der Radio-Bremen-Mittelwellensender klammheimlich abgeschaltet. Dies fiel einem treuen Hörer auf, und der wandte sich an die die Regionalzeitung. Der Weser-Kurier erfuhr auf Nachfrage vom Pressesprecher:
Die Abschaltung erfolgte vorläufig, um die Hörerreaktionen zu testen. Man vermute, dass nur noch wenige Hörer das Angebot nutzen; wenn sich nicht Massen von Hörern beschweren, bleibt er er abgschaltet, weil die notorisch klamme Anstalt die Betriebskosten sparen möchte.
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